Die Rei­ner Stifts­bi­blio­thek

Die ZWEITGRÖSSTE KLOSTERBIBLIOTHEK DER STEIERMARK

Nach dem ober­stei­ri­schen Stift Admont hat Rein mit ca. 110.000 Objek­ten die zweit­größ­te Stifts­bi­blio­thek des Lan­des. Der Bestand der Stifts­bi­blio­thek umfasst ca. 110.000 Objek­te. Es sind Bücher, Zeit­schrif­ten, Ein­zel­blät­ter, Musi­ka­li­en bis hin zum Kep­ler­tisch von 1607. 390 Hand­schrif­ten und die 150 Inku­na­beln (Früh­dru­cke bis 1500) zäh­len zum wert­vol­len Bestand. Schwer­punkt­be­rei­che sind Theo­lo­gie und his­to­ri­sche Dis­zi­pli­nen.
Der prunk­vol­le Schau­raum zwi­schen der Basi­li­ka und dem Biblio­theks­trakt ist mit Decken­fres­ken von Joseph Amon­te aus dem Jahr 1753 und den Stel­la­gen aus der Stifts­tisch­le­rei aus­ge­stat­tet.

Von der Bücher­kam­mer zur Prunk­bi­bl­tio­hek

Klos­ter­bi­blio­the­ken sind immer schon als „Rüst­kam­mer“ für Geist und See­le ver­stan­den wor­den. „Arma­ri­um“, in ursprüng­li­cher Bedeu­tung eigent­lich Waf­fen­kam­mer, nann­te man im christ­li­chen Sprach­ge­brauch die Berei­che eines Klos­ters, in dem die Bücher auf­be­wahrt wur­den, bevor es dafür eige­ne Biblio­the­ken gab. Es ist daher davon aus­zu­ge­hen, dass die frän­ki­schen Grün­dungs­mön­che aus Ebrach bereits ihre Bücher mit­ge­bracht und sie im Arma­ri­um, einem klei­nen, heu­te noch nach­weis­ba­ren Raum an der soge­nann­ten Äbte­ga­le­rie, auf­be­wahrt haben. Ab 1586 ist ein wei­te­rer Raum („Biblio­the­ca supe­ri­or“) erwähnt. Im Zuge eines Umbaus 1612 ist die­se Biblio­the­ca supe­ri­or mit ihren zehn Arbeits­plät­zen („cathe­drae“) über der ursprüng­li­chen Sakris­tei (heu­te: Mari­en­ka­pel­le) loka­li­siert. In die heu­ti­gen Räum­lich­kei­ten zog die Biblti­hek nach der Baro­cki­sie­rung des Stifts 1763.

SCRIPTORIUM IM STIFT

Neben dem Besitz von Büchern war in und für Rein auch die Her­stel­lung von Büchern in einem „Scrip­to­ri­um“ von Bedeu­tung. Beson­ders am Ende des 12. Jahr­hun­derts wur­de nicht nur für den eige­nen Bedarf geschrie­ben, son­dern auch für exter­ne Auf­trag­ge­ber (z. B. Dom­ka­pi­tel Salz­burg). Ab der Jahr­hun­dert­wen­de (15./16. Jhdt.) gab es unter Abt Wolf­gang Schrötl auch eine leis­tungs­fä­hi­ge Buch­bin­de­rei, in der älte­re Codi­ces neu gebun­den wur­den.

DAS REINER MUSTERBUCH

In der Geschich­te der Rei­ner Stifts­bi­blio­thek kam es viel­fach zu schmerz­haf­ten Ände­run­gen beim Buch­be­stand: Der huma­nis­ti­sche Uni­ver­sal­ge­lehr­te Wolf­gang Lazi­us bei­spiels­wei­se hat für sei­ne his­to­ri­schen For­schun­gen etwa das berühm­te soge­nann­te Rei­ner Mus­ter­buch „aus­ge­borgt“. Der Codex aus dem frü­hen 13. Jahr­hun­dert ist eines der ältes­ten bekann­ten Mus­ter­bü­cher, die in den klös­ter­li­chen Schreib­stu­ben als Vor­la­gen für kunst­vol­le Initia­len oder Gra­fi­ken dien­ten. Nach Lazi­us’ Tod 1565 kam es mit ande­ren Hand­schrif­ten in die kai­ser­li­che Hof­bi­blio­thek nach Wien.

In der Kri­sen­zeit des Stif­tes in Zusam­men­hang mit der Refor­ma­ti­on kam es zu einer Ver­nach­läs­si­gung der Biblio­thek: Im 16. Jahr­hun­dert ver­zeich­net ein Inven­ta­ri­um außer 30 Per­ga­ment­bän­den nur 587 Buch­ti­tel.

WISSENSCHAFT & AUSBAU

Ab dem 19. Jahr­hun­dert kann inten­si­ves wis­sen­schaft­li­ches Inter­es­se der Kon­ven­tua­len fest­ge­stellt wer­den, denn vie­le Wer­ke aus fast allen Fach­be­rei­chen wur­den unter den Äbten Lud­wig Cro­phi­us (+ 1861) und Vin­zenz Knödl (+1890) ange­schafft und der Bestand von den Biblio­the­ka­ren plan­mä­ßig erwei­tert.
Ab dem 20. Jahr­hun­dert war und ist eine finan­zi­ell dotier­te Erwei­te­rung nicht mehr mög­lich. Neu­erwer­bun­gen stam­men aus Spen­den, Nach­läs­sen und Vor­läs­sen. Vor­läu­fer davon gab es bereits im 19. Jahr­hun­dert, wo die Bücher­samm­lung des Diplo­ma­ten Frei­herr Josef von Wer­ner 1878 der Biblio­thek ver­macht wur­de oder der Bücher­be­sitz des Kir­chen­recht­lers Rudolf von Sche­rer (+1918). Der­zeit sind kunst­wis­sen­schaft­li­che Wer­ke der Kunst­his­to­ri­ker Anne­do­re Dede­kind und Horst Schwei­gert als Nach­läs­se in die Stifts­bi­blio­thek auf­ge­nom­men, ihre kata­log­mä­ßi­ge Erfas­sung ist im Gang und wird noch eini­ge Zeit in Anspruch neh­men.

SCHICKSALSORT

Nicht nur Bücher haben ihre Schick­sa­le, auch der Platz, wo sie lagern. Im 2. Welt­krieg muss­te vor­über­ge­hend ein Volks­kun­de-Insti­tut im Stift auf­ge­nom­men wer­den. Die 1975 durch das Rei­ner  Hoch­was­ser ange­rich­te­ten Schä­den an der Bau­sub­stanz des Klos­ters mach­ten eine umfas­sen­de Restau­rie­rung und Sta­bi­li­sie­rung der Sta­tik erfor­der­lich. Der Schausaal wur­de zwi­schen 1979 und 1984 restau­riert, 2019/2020 konn­ten wei­te­re Schrit­te gesetzt wer­den: die Restau­rie­rung der Decken- und Wand­fres­ken im Schausaal sowie der Fens­ter im Schau­raum und im Depot-Bereich, der Ein­bau eines Lif­tes für behin­der­ten­ge­rech­ten Zugang, die Auf­stel­lung von neu­en Rega­len zur Auf­nah­me der kunst­wis­sen­schaft­li­chen Bestän­de und der Fer­di­nan­dea.

KONTAKT

Biblio­thek
Dr. Johann Uitz

E‑Mail:
johannuitz4@gmail.com

Buch­pa­ten­schaf­ten
Pater DDr. David Zettl

Tele­fon: 
+43 676 87 42 61 00

E‑Mail:
archiv@stift-rein.at

 

BIBLIOTHEK HEUTE​

Heu­te ver­fügt die Stifts­bi­blio­thek über etwa 110.000 Objek­te. Das Wert­volls­te sind und blei­ben his­to­ri­sche Bestän­de. In Rein sind dies 150 Inku­na­beln und 390 Hand­schrif­ten; sie sind von Dr. Wal­ter Stein­metz im Hand­schrif­ten­ka­ta­log beschrie­ben, der über die Son­der­samm­lung der Uni­ver­si­täts­bi­blio­thek Graz elek­tro­nisch ein­ge­se­hen wer­den kann.

Das Inter­es­se von Fach­leu­ten und Muse­en ist welt­weit immer noch gege­ben, wie Anfra­gen und Besu­che zei­gen.

Die Räu­me der Stifts­bi­blio­thek ste­hen zusätz­lich zu Füh­run­gen auch für Codex-For­schun­gen zur Ver­fü­gung, da wei­test­ge­hend alle geis­tes­wis­sen­schaft­li­chen Dis­zi­pli­nen vor­han­den sind. Klas­sen und Ein­zel­per­so­nen mit berech­tig­tem Inter­es­se sind herz­lich will­kom­men.

Unter­stüt­zen Sie
Restau­rie­rungs­ar­bei­ten

Vie­le Bücher und Urkun­den müs­sen drin­gend restau­riert wer­den. Mit Ihrer Unter­stüt­zung wird Wis­sen geret­tet.
 
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