Archivar Dr. Norbert Müller

Dr. Norbert Müller, Diözesanarchivar, kennt das Stiftsarchiv seit 1976. Derzeit arbeitet er gerade an der PC-unterstützten Katalogisierung.
P. August Janisch im Gespräch mit Dr. Norbert Müller:

Was sind die besonderen Objekte des Reiner Stiftsarchivs?

Es sind die Akte der Grundherrschaft Rein sowie Rohr und Finkenegg bei Wildon. Auch das Dekanatsarchiv und die Pfarrarchive der Reiner Pfarren lagern hier.

Und die wichtigsten Archivalien?

Es sind die Urkunden und es ist der geschlossene Bestand der Grundherrschaft Rein seit 1395. Diese Archivalien sind unverzichtbar für die Geschichte der Steiermark mit den vielen Erstnennungen von Orten und Personen. Auch viele Hofgeschichten können zurückverfolgt werden. Unsere ältesten Urkunden stammen aus dem 12. Jahrhundert.

Auch die Akten der Bezirksobrigkeit von Stift Rein von 1785 bis 1850 sind überaus wertvoll. Dabei handelt es sich um Bau-, Sanitäts-, Straßenbau- und Schulangelegenheiten. Die Bezirksobrigkeit ist Vorgänger der jetzigen Bezirkshauptmannschaft.

Einige Archivalien werden sehr oft gebraucht und sind daher auch sehr zerschlissen ...

Ja – es sind viele Schäden und wir suchen Paten für diese notwendigen Restaurierungen. Wir haben bisher durch Patenschaften im Archiv und in der Bibliothek wertvolle Objekte herrichten können, darunter die älteste Papierhandschrift der Steiermark, das Kastenbuch von 1370-75 und das Urbar von 1535.

Wieviele Objekte warten im Archiv noch auf einen Paten?

Es sind mindestens 50 Objekte, die ich sofort nennen kann, z. B. das Urbar der Pfarre Gratwein aus dem Jahre 1487. Dieses wertvolle Buch hat einen Reiner Einband, noch aus dem 15. Jh. und mit allen Beschlägen im Original. Der Buchrücken aber fehlt. In der Bibliothek sind es aber bestimmt noch einige hundert Bücher, die auf eine Restaurierung warten.

Was macht Dir große Freude bei uns im Stift Rein zu arbeiten?

Es ist die große Tradition – seit 1129 leben hier Mönche, wobei sich das Stiftsarchiv seit 400 Jahren in den gleichen Räumlichkeiten befindet. Und die Verbindung von Wissenschaft und Glaube ist hier stark erlebbar.

Danke für die gute Arbeit.